Menschenbetrachtung mit Alexander Schaumann

Ein Wochenende mit Alexander Schaumann

Rückblick von Ute Ebenritter

Zur diesjährigen Frühjahrsfortbildung für FörderlehrerInnen trafen sich am 19. / 20. Februar 2016 wieder zahlreiche Menschen in Überlingen. Zum dritten Mal kam Alexander Schaumann aus dem fernen Bochum an den Bodensee, um unseren Blick auf die menschliche Gestalt zu begleiten und zu schulen.

Was ist „Menschenbetrachtung“?

Was sieht der einzelne Betrachter zunächst und wie verändert sich dieser Blick durch die Gruppe?

Wie geht er und sie methodisch vor?

Wo liegt der Unterschied zur „Kinderbesprechung“, wie wir sie von Waldorfschulen her kennen?

Diese und andere Fragen brachten die Teilnehmenden in das Wochenende mit. Die einen kannten das Vorgehen schon aus den letzten Jahren und freuten sich auf eine Fortführung. Andere hatten den Aufsatz auf der Homepage von ExtraKurse Gbr gelesen und sich damit eingestimmt. Wieder andere kamen mit ihrer frischen Neugierde „einfach so“.

Alexander Schaumann führte zu Beginn die Menschenbetrachtung so ein, dass wir uns bewusst Zeit nahmen für die Eindrücke, die beim Betrachten des Modells auf uns wirkten. Im Laufe des Seminars lenkte er den Fokus immer wieder auf verschiedene Aspekte. Drei Teilnehmende hatten sich als Modelle zur Verfügung gestellt.

„Sehen lernen, was man eigentlich eh’ schon sieht, doch ungeschult nicht hätte erkennen und benennen können“, war ein Aspekt beim Beobachten. Jeder ging, durch hilfreiche Fragen von Alexander Schaumann geleitet, entsprechend seinen eigenen (Wahrnehmungs-) Möglichkeiten auf die Suche nach Neuem.

Es war ein Weg, der an die Matroschka-Puppe erinnerte: Jeder / Jede sah immer noch etwas Neues in dem, was für sie oder ihn eben noch die „letzte Puppe“ war. Sowohl die Beiträge der Anderen als auch die besonderen Fragen führten Schritt für Schritt zum vorsichtigen Ent-decken des Modells. Alle drei wurden vor unseren Augen zu lebendigen Kunstwerken.

Die besondere Wirkung dieser Arbeit war am Ende jeder Einheit in den Räumen der Kaspar-Hauser-Schule spürbar und reichte für Einzelne bisweilen über die Zeit des Wochenendes hinaus.

Was bleibt nach so einem Wochenende?

Für jeden Teilnehmer / jede Teilnehmerin sicherlich etwas anderes. Doch der Umgang mit dem Wahrgenommenen wird sich wohl bei allen geändert haben; ein bewusster, neuer Blick konnte sich auftun. Viele empfanden darüber hinaus eine Dankbarkeit sowohl den anderen Teilnehmenden als auch Herrn Schaumann gegenüber für diesen offenen und verantwortungsvoll geführten Prozess. All das wurde möglich durch die Bereitschaft der drei Modelle. Einen herzlichen Dank auch an sie!

Im Frühjahr 2017 kommt Herr Schaumann wieder. Bis dahin haben wir viel Zeit, uns an unserem vertieften Blick zu erfreuen und mit ihm weiterhin Neues zu entdecken.