Seminarinhalt – Vom Sehen zum Hören

Vom Sehen zum Hören – von der Ich-Gestalt zum Seelenraum

Menschenbetrachtung mit Alexander Schaumann

13. und 14. März 2020

Therapeutische Hilfe ist auf ein Verständnis des Menschen angewiesen. Dabei wird meist versucht, das Fehlende zu diagnostizieren und zu ersetzen. Viel praktiziert, selten jedoch hinterfragt, spielt dabei aber auch etwas ganz anderes ein Rolle: die spirituelle Realität der Zuwendung. Mit seiner Aufmerksamkeit schafft der Therapeut einen Raum, in dem Entwicklung möglich wird und das umso mehr, als er über die technischen Frage von „Maßnahmen“ hinausschauen kann. Er schafft einen Raum, in dem der Klient „in Erscheinung“ treten kann.

Das kann man üben. Die Menschenbetrachtung ist eine Gelegenheit dazu. Im geduldigen Gespräch heben wir ins Bewusstsein, was ohnehin immer geschieht, nur zu schnell, um es zu würdigen. Wir beschreiben die äußere Erscheinung und erfahren dabei, was Zuwendung heißt: ohne ein Wort zu sagen fühlt sich unser Modell „gesehen“. Es geht nicht nur um eine Wahrnehmungsschulung, sondern um das Schaffen eines Raumes, in dem, was ist, auch sein darf. Schauen wir auf den Gang eines Menschen oder auf seinen Blick, steht seine Aktivität im Vordergrund. Es ist die Aktivität seines Ich, die den Fuß auf den Boden setzt oder den Blick auf das Gegenüber richtet. Wie sie oder er das tut ist Gegenstand der Beschreibung. Es ist aber auch möglich auf die Stimme zu achten. Das Modell erzählt etwas, eine kleine Geschichte oder von einer nicht weiter bedeutenden Begebenheit und wir achten nicht auf den Inhalt, sondern auf Klang und Melodie. Was erfahren wir in einer solchen Situation? Mit dem Verlagern der Aufmerksamkeit vom Sichtbaren zum Hörbaren tritt ein neuer Bereich des Menschseins in Erscheinung. Dieser Übergang soll Gegenstand des Üb-Wochenendes sein.

Alexander Schaumann